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Lebenslauf-Polizei statt Potenzialblick – Warum Unternehmen und HR-Verantwortliche den Fachkräftemangel fördern

Aktualisiert: 27. Aug.

Von Hans-Jürgen Waider, Personalberater

WAIDER Consulting | Münster


Lebenslauf-Polizei statt Potenzialblick - WAIDER Consulting
Lebenslauf-Polizei statt Potenzialblick (Bildquelle: Stock-Asso / shutterstock.com)


Prolog: Ein Bewerber erzählt – und es ist kein Einzelfall


„Ich habe 20 Jahre Berufserfahrung. Ich habe Teams geführt, in Krisenzeiten Projekte gerettet und mir in drei Branchen ein belastbares Netzwerk aufgebaut. Und trotzdem höre ich am Ende eines Bewerbungsprozesses: ‘Leider passt Ihr Profil nicht zu unserer Idealvorstellung.’


Ein anderer sagt:

„Ich war nach der Pflege meiner Eltern zwei Jahre raus aus dem Job. Jetzt werde ich nicht mal mehr eingeladen. Ich sei ‘nicht mehr im Takt mit dem Markt’.


Und eine Quereinsteigerin berichtet:

„Ich habe mich bewusst neu orientiert. Weiterbildung gemacht, Praxis gesammelt. Aber weil ich noch keinen Titel in der neuen Branche habe, werde ich übersehen.“


Ich könnte Dutzende dieser Geschichten erzählen.


Jede davon ist eine verpasste Chance – für das Unternehmen. Nicht für den Bewerber.


Die Lebenslauf-Polizei: So tickt der Auswahlprozess in vielen Unternehmen und befeuert dabei den Fachkräftemangel


Sie ist unsichtbar, aber allgegenwärtig.

Sie trägt keine Uniform, aber urteilt gnadenlos.

Die Lebenslauf-Polizei.


Sie entscheidet binnen Sekunden, ob ein Mensch „passt“ – anhand von:


  • Titeln

  • Zeitlinien

  • Jobbezeichnungen

  • Lücken

  • Branchenstempeln


Der Mensch dahinter?

Zweit- bis drittrangig.


Der CV wird zur Eintrittskarte – oder zur Sperrzone.

Nicht das Potenzial entscheidet, sondern der vermeintlich „richtige“ Werdegang.



Der Lebenslauf ist eine Fiktion


Ein Lebenslauf ist ein Dokument – keine Wahrheit.

Er ist oft:


  • geschönt

  • verkürzt

  • angepasst an das, was „gut aussieht“


Er sagt wenig über:


  • Widerstandskraft

  • Lernfähigkeit

  • Führungspersönlichkeit

  • Werte

  • Kommunikationsstil


Und genau das sind die Faktoren, die über den langfristigen Erfolg entscheiden.



Die gefährlichsten Denkfehler bei der CV-Beurteilung


  1. „Lücken bedeuten Inkompetenz.“


Falsch.

Lücken entstehen durch Pflegearbeit, Krankheit, Umorientierung, Weiterentwicklung, Reisen, Elternzeit, Mut.

Lücken bedeuten Leben. Und oft: Persönlichkeitsreifung.



  1. „Quereinstieg = Risiko“


Falsch.

Wer bewusst den Berufsweg ändert, bringt:


  • frische Perspektiven

  • hohe Motivation

  • starke Selbstreflexion

  • Lernbereitschaft


Das ist kein Risiko – das ist Zukunft.



  1. „Je geradliniger, desto besser“


Falsch.

Geradlinigkeit ist oft ein Zeichen von Angepasstheit, nicht von Innovationsfähigkeit.

Die Arbeitswelt von morgen braucht:


  • Multitalente

  • Grenzgänger

  • Brückenbauer

  • Autodidakten


Nicht nur „Karriere-Performer mit Konzernlaufbahn“.



Die Auswirkungen: Was die Lebenslauf-Polizei anrichtet


Für Bewerber:


  • Frust, Resignation, Zweifel

  • Talente werden nicht entdeckt

  • Menschen verstecken ihre Brüche, statt offen zu ihnen zu stehen



Für Unternehmen:


  • Verlust von Vielfalt, Erfahrung, Kreativität

  • höherer Fachkräftemangel – selbst verschuldet

  • Innovationsstau durch Einheitsprofile

  • Demotivation bei intern Wechselwilligen



Für die Gesellschaft:


  • Verschenktes Potenzial

  • Verstärkung sozialer Ungleichheit

  • Stillstand statt Fortschritt




Was fehlt? Der Potenzialblick


Ein Bewerber ist kein Produkt mit Seriennummer.

Er ist:


  • Persönlichkeit

  • Geschichte

  • Energie

  • Richtung



Der Potenzialblick fragt:


  • „Was bringt dieser Mensch mit – unabhängig vom Titel?“

  • „Wie kann er unser Team bereichern – auch jenseits der Stellenbeschreibung?“

  • „Was ist da an Entwicklung möglich, wenn man ihn ernst nimmt?“



Dafür braucht es:


  • echtes Interesse

  • psychologisches Gespür

  • Mut zur Unschärfe



Und ja:

Zeit. Aber das ist gut investierte Zeit.



Mein Appell an Unternehmen und HR-Verantwortliche



Reden Sie mit den „Unpassenden“.


Sie werden überrascht sein, welche Energie, Ideen und Resilienz Bewerber mit unkonventionellem Werdegang mitbringen.



Setzen Sie Ihre Entscheiderbrille ab.


Fragen Sie sich:


  • Würde ich diesen Lebenslauf heute selbst noch schreiben dürfen?

  • Hätte ich in meiner Karriere immer den „idealen“ Pfad verfolgt?

  • Was hätte mir jemand mit Potenzial, aber ohne Titel beibringen können?




Fazit: Die Lebenslauf-Polizei muss weg



Sie verhindert Chancen, Vielfalt und Zukunft.

Sie stützt ein System, das nicht mehr zur heutigen Arbeitswelt passt.

Sie erzeugt Fachkräftemangel – hausgemacht.



Die Frage ist nicht: „Was steht im Lebenslauf?“

Sondern:

„Was steckt in diesem Menschen – und was könnte daraus werden?“



Was WAIDER Consulting anders macht


Ich berate nicht auf Basis von Dokumenten, sondern auf Basis von Menschen.

Ich sehe Potenziale, wo andere Schwächen sehen.

Ich begleite Unternehmen, die sich trauen, andere Wege zu gehen – mit Mut, mit Offenheit, mit Weitblick.


Wenn Sie dazugehören wollen, sprechen Sie mich an. Gemeinsam schaffen wir Ihre Lebenslauf-Polizei ab und wirken Ihrem Fachkräftemangel entgegen.

 
 
 

1 Kommentar

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heyjobstarter.de
11. Aug.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

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